Von Dennis Fischer

Future Work Skills: Wie Coworking beim „Verlernen lernen“ hilft

„Andere rennen raus, wir rennen rein“.

An diesen Spruch der Feuerwehr musste ich im März 2020 sehr oft denken. Genau einen Tag nach dem offiziellen Lockdown ging ich zu einem Coworking-Space in der Nähe meine Münchner Wohnung und meldete mich an. Ich sagte „Meine Freundin hat mir meinen Schreibtisch geklaut. Kann ich bei euch unterkommen?“ Ich konnte.

Die Filterblase verlassen

Von ehemals 100 vermieteten Plätzen waren noch genau 3 Coworker übrig, die nicht ins Homeoffice geflohen waren. So hatten wir einige Wochen unsere Ruhe, bevor im Sommer die ersten Mutigen wieder zurückkamen. Das gab mir die Gelegenheit, alle Rückkehrer:innen einzeln zu begrüßen und spannende Menschen zu treffen. War ich vorher überwiegend im Homeoffice oder in meiner Speaker-/Trainer-Bubble, begegnete ich hier Designern, Ingenieurinnen oder Gründerinnen. Ich lernte neue Sichtweisen kennen und wurde zum Nachdenken angeregt.

Workations = Coworking in fremder Umgebung

Durch diese Erfahrung angefixt, traute ich mich im Herbst 2020 an die Steigerung von Coworking: Workations. Eine Mischung aus Work, Vacation und Education. Ein befreundeter Unternehmer mietete ein abgelegenes Haus in Frankreich und lud 20 seiner Freunde ein. Tagsüber arbeiteten wir und am Nachmittag gaben wir uns gegenseitig Workshops. Die Themen waren dabei so divers wie die Teilnehmer. Von Künstlicher Intelligenz über Sketchnoting und Acroyoga bis hin zum Thema „Bücher schreiben und vermarkten“. Hier merkte ich, wie wertvoll es ist, regelmäßig seine gewohnten Denkpfade zu verlassen und sich selbst zu hinterfragen.

Coworking fördert die wichtigsten Skills der Zukunft

Machen wir uns nichts vor: Albert Einstein hatte recht.

"Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind."

Um aber unsere gewohnte Denkweise zu verlassen, brauchen wir andere Menschen. Nur wenn wir interdisziplinär denken und handeln, können wir die großen Herausforderungen wie den Klimawandeln, den Umgang mit Künstlicher Intelligenz oder den demografischen Wandel lösen.

Dazu brauchen wir neue Skills. Ich nenne sie „Future Work Skills“. Wir haben in den letzten Jahren festgestellt, dass uns Maschinen in vielen Bereichen die Arbeit abnehmen werden. Sie analysieren Röntgenbilder, führen Knieoperationen durch und erstellten automatisiert rechtlich aufwendige Verträge. Was sie aber noch nicht besitzen sind Skills wie Kreativität, komplexe Probleme lösen, kritisches Denken oder lebenslanges Lernen.

„Verlernen lernen“ ist wichtiger als Neues zu lernen

Vor allem der letztgenannte Skill ist einer der wichtigsten. Dabei geht es aber nicht nur darum, bis ins hohe Alter immer wieder Neues zu lernen und sich weiterzubilden. Vielmehr geht es auch darum, einmal Gelerntes zu überschreiben und somit zu „verlernen“. Genau das fällt uns so schwer, wenn wir immer nur in unserer gewohnten Umgebung sind.

Ich wollte zum Beispiel schon immer gerne mittags einen kurzen Powernap halten. Ich hatte mir jedoch angewöhnt nach dem Mittagessen meine Mails zu checken und im Anschluss war ich dann meistens so abgelenkt durch die Bearbeitung der E-Mails, dass ich nicht dazu kam mich kurz hinzulegen.

Tatsächlich beobachtete ich in meinen ersten Tagen im Coworking-Space eine der drei anderen Kolleginnen, die sich regelmäßig nach dem Essen auf die Couch legte und für 30 Minuten schlief. Wir unterhielten uns und nach einigen Anläufen etablierte ich den Powernap als neue Gewohnheit in meinen Alltag.

Auch wenn wir durch Powernaps nicht die Welt retten, ist es genau dieser Austausch mit Menschen außerhalb unserer Filterblase, der uns inspiriert und anspornt. Die großen Herausforderungen der nächsten Jahre können wir nur in interdisziplinären Teams und mit neuen Skills lösen. Genau diese Skills trainiert man meiner Meinung nach am besten beim coworken.

So, jetzt springe ich in den Gardasee, wo ich die letzten zwei Wochen arbeite und bei 36 Grad versuche meine gewohnten Denkpfade zu verlassen.

Über den Autor

Dennis Fischer ist überzeugt, dass wir in der Arbeitswelt der Zukunft andere Kompetenzen benötigen, als diejenigen, die heute immer noch in Schulen und Hochschulen gelehrt werden. Um möglichst viele Menschen fit für die Arbeitswelt von morgen zu machen, arbeitet er als Autor und Keynote-Speaker.

Nach dem Erfolg seines Buches „52 Wege zum Erfolg“, das vom Hamburger Abendblatt als „TOP 10 Wirtschaftsbuch 2019“ ausgezeichnet wurde, widmet er sich in seinem neuen Buch den wichtigsten Soft Skills der Zukunft.

Wenn Dennis Fischer nicht gerade auf der Bühne steht oder seinen Podcast produziert, trifft man ihn beim Trailrunning in den Münchner Bergen. Dort nimmt er auch gerne einmal an einem 52 Kilometer langen Lauf quer durch das Karwendel teil.

Website: www.dennisfischer.com

LinkedIn: www.linkedin.com/in/fischerdennis

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