Von Vanessa Giesinger

Corporate Benefits: Was viele Unternehmen falsch machen

„Bei uns erwarten dich Benefits wie frisches Obst, kostenlosen Kaffee, einen Tischkicker und regelmäßige Firmenevents. Außerdem gibt es eine angemessene Vergütung und eine gute Anbindung an den ÖPNV.“

Nach wie vor sind solche Beschreibungen in Stellenanzeigen zu lesen. Obwohl diese „Angebote“ nice-to-have sind, überzeugen sie wohl kaum Mitarbeitende, sich im Bewerbungsprozess für diese Unternehmen zu entscheiden und sollten nicht zu den Corporate Benefits zählen. Denn: Was Arbeitnehmer:innen wirklich wollen und die Zufriedenheit im Job erhöht, unterscheidet sich teilweise stark von den Zusatzleistungen, die Arbeitgeber anbieten.

Dabei wundern sich viele Unternehmen, wieso sie gute Talente verlieren und nur schwer Fachkräfte finden. Gute Mitarbeiter:innen haben in vielen Bereichen die Qual der Wahl, wenn sie sich nach einem Job umsehen. Im War for Talents müssen Arbeitgeber jetzt handeln, wenn sie nicht zurückfallen wollen.

Können Mitarbeiterangebote wirklich einen Unterschied machen?

Ja und Nein. Eine angemessene Vergütung als Benefit zu bezeichnen, wird bestimmt nicht mehr Bewerbungen bringen. Laut einer neuen Gehaltsstudie von Kununu können Corporate Benefits aber auch die Gehaltszufriedenheit beeinflussen. Dabei kommt es nicht nur auf die Art der Benefits, sondern auch auf die Anzahl an. Umso mehr, umso höher die Zufriedenheit. 

Natürlich ist es nicht ganz so einfach: Nicht alle Zusatzleistungen werden von allen Mitarbeiter:innen gleich gut angenommen. Alle Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, befinden sich in verschiedenen Lebenslagen und andere Prioritäten. Laut Stepstone erzielen Unternehmen am Jobmarkt einen nachhaltigen Impact, wenn sie “gezielte Anreize für besonders stark nachgefragte Talente setzen und sich bei der Auswahl der Benefits an der angepeilten Zielgruppe orientieren.” Corporate Benefits wie hybride Arbeitsmodelle, Flexibilität und Employee Wellbeing stehen dabei hoch im Kurs.

Corporate Benefits, die nicht wirklich Benefits sind

In einem Blogartikel haben wir bereits drei außergewöhnliche Corporate Benefits vorgestellt. Genauso wichtig ist es aber, bestehende „Zusatzleistungen“ auf ihren Nutzen zu überprüfen. Sind die angebotenen Benefits wirklich ein Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Talente oder nur Phrasen, die sowieso die meisten Unternehmen anbieten? 

Bieten Sie richtige Benefits an, keine leeren Phrasen.

  • „Tolle Unternehmenskultur.“
  • „Aktive Mitgestaltung des Unternehmens.“

Vermeiden Sie zu viele „Benefits“, die mittlerweile alle anbieten.

  • „Kostenloses Obst/Kaffee.“
  • „Firmenevents.“

Flexwashing in der flexiblen Arbeitswelt

Ein weiteres Problem ist das sogenannte „Flexwashing“. Fortune berichtet in einem Artikel davon: Genauso wie Greenwashing, wo Unternehmen ihre Bemühungen zum Umweltschutz übertrieben und aufgehübscht darstellen, fallen viele in ein ähnliches Muster bei ihren flexiblen Arbeitsrichtlinien beim Flexwashing. Viele Arbeitnehmer:innen wünschen sich eine (noch) flexiblere Arbeitswelt.

Angesichts der Beliebtheit dieser flexiblen Arbeitsformen bemühen sich Unternehmen, diese aktiv in Stellenanzeigen anzupreisen. Da es aber keinen klar definierten Standard dafür gibt, sind viele Mitarbeiter:innen enttäuscht, wenn sie doch nicht so flexibel arbeiten können, wie eigentlich beschrieben. Viele Richtlinien sind dabei an Bedingungen geknüpft: In der Praxis müssen Arbeitnehmer:innen oft an bestimmten Tagen ins Büro kommen oder bestimmte Stunden am Tag online sein. Solche Modelle schränken die flexible Arbeitswelt sehr ein. Deshalb sollten solche Richtlinien im Vorfeld auch klar kommuniziert werden, damit keine Enttäuschung entsteht.

Welche Corporate Benefits sollten Unternehmen also wirklich anbieten?

Um wirklich die richtigen Benefits anzubieten, müssen Sie im ersten Schritt die bestehenden Zusatzleistungen überprüfen. Danach können Sie sich neue Angebote abwägen und in Ihrem Unternehmen einführen. Stellen Sie nur Benefits zur Verfügung, die auch wirklich einen Mehrwert bringen. Es bringt auf langfristige Sicht nichts, Talente mit Versprechungen zu ködern, die nicht eingehalten werden. Das enttäuscht die Mitarbeitenden nur und sorgt für schlechte Stimmung. Der wichtigste Tipp ist eigentlich logisch, wird aber in der Praxis nicht oder zu wenig umgesetzt: Fragen Sie die Mitarbeitenden ganz einfach, was Sie wollen! Eine interne Umfrage ist schnell erstellt und so können Sie sichergehen, dass die Mitarbeitenden selbst auch wirklich einen Mehrwert erkennen und alle Bedürfnisse berücksichtigt werden. 

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