Von Vanessa Giesinger

Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz: Was Arbeitgeber tun können

Die meisten von uns haben früher oder später Berührungspunkte mit dem Thema Mental Health: Ob wir selbst, Familienmitglieder, Freunde oder durch Arbeitskolleg:innen. Psychische Krankheiten können alle treffen. Auch wenn das Thema die letzten Jahre an Präsenz gewonnen hat, ist es nach wie vor für viele ein Tabuthema am Arbeitsplatz. Doch gerade dort, wo wir jeden Tag viele Stunden verbringen, wäre es für viele eine Erleichterung, wenn sie mehr Unterstützung erfahren könnten. 

In Deutschland sind laut der DGPPN jedes Jahr 27,8% der Erwachsenen von einer psychischen Erkrankung betroffen. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen dabei Angststörungen, affektive Störungen und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum. Bei einer Umfrage der Betriebskrankenkassen (BKK) im letzten Jahr gab jeder dritte Beschäftigte an, dass die psychische Gesundheit unter der Pandemie leidet. Darüber hinaus stieg die Anzahl an Arbeitsunfähigkeitstage wegen psychischer Erkrankungen jährlich an. 

Wie kann man die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz schützen?

Der Schutz der psychischen Gesundheit ist durch Regelungen im Arbeitsschutzgesetz geregelt. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales bietet zusammen mit mehreren Institutionen Maßnahmen zur Prävention in diesem Bereich an. Dort sind auch weitere wichtige Informationen für Arbeitgeber verlinkt. Besonders umfangreich wird das Thema auch auf der Website “psyGA” behandelt. Unter den genannten Links finden Unternehmen wichtige Informationen, um selbst einen Beitrag zu leisten. 

Neben diesen Maßnahmen können Arbeitgeber auch durch gute Rahmenbedingungen am Arbeitsplatz erheblich dazu beitragen, Stress für die Mitarbeitenden abzubauen und die Motivation sowie das Wohlbefinden aller steigern. Dazu gehören:

  • Ausgleich zum Arbeitsalltag: Das können beispielsweise Corporate Benefits sein, die Sport- und Erholungsprogramme einschließen oder flexible Arbeitszeiten.
  • Gestaltungsspielraum: Zu starre Vorgaben können das Gefühl verstärken, keine Kontrolle zu haben. Flexible Lösungen in der Arbeitswelt können zu einer positiven Grundstimmung beitragen.
  • Wertschätzung: Mitarbeitende, die gute Leistungen erbringen, sollten auch gesehen werden.
  • Arbeitsbedingungen: Das Bereitstellen von klimatisierten Räumen, ergonomischen Stühlen oder auch ein gesundes Angebot an Getränken und Snacks. 
  • Kommunikation: Auf jeden Fall einer der wichtigsten Punkte. Eine offene Kommunikation, in der man auch Probleme und private Themen ansprechen kann, gibt Mitarbeitenden Sicherheit. Es kann auch dazu beitragen, dass sich die Menschen eher öffnen und über die psychischen Probleme sprechen.

Mental Health in der neuen Arbeitswelt

Seit der Pandemie sind viele von uns in eine neue, flexiblere Arbeitswelt eingetaucht. Zahlreiche Unternehmen setzen auf Homeoffice oder hybride Arbeitsformen. Doch wie kann sich die psychische Gesundheit verbessern, wenn wir uns immer öfter online sehen? Unsere Kollegin Leonore Dudda hat darüber in einer Folge unseres Formates “New Work Lunch Break” mit Rike Holmer (New Work Designerin, ionder) gesprochen. Die beiden diskutieren den Einfluss der neuen Arbeitswelt auf die mentale Gesundheit und welche Strategien helfen können, die Resilienz zu stärken.

Neue Arbeit muss nachhaltig gesund gestaltet sein

New Work beschäftigt sich viel mit den Fragen nach Sinnhaftigkeit und Selbstentfaltung im Job. Es wird mehr Wert auf eine Work-Life-Balance gelegt und viele Mitarbeitende können sich durch flexible Arbeitszeiten und -orte, Arbeitsalltag und Privatleben besser abstimmen. Arbeitgeber können auch hier nachhelfen: Anstatt nur das Firmenbüro zu einem Wohlfühlort zu transformieren, können auch Maßnahmen entwickelt werden, um die hybride Zusammenarbeit besser zu gestalten. Ideen dafür gibt es viele: Angefangen von einem Zuschuss zur Homeoffice-Ausstattung bis hin zu virtuellen Treffen für die Mitarbeitenden.

Wenn Unternehmen ein hybrides Arbeitsmodell umsetzen, sollten alle Bedürfnisse und Lebenssituationen der Mitarbeitende einbezogen werden. Manche arbeiten am liebsten und produktivsten von zu Hause, andere brauchen das Büro und den regelmäßigen sozialen Kontakt in Person. Für Mitarbeitende, die nicht in der Nähe des Bürostandortes wohnen, kann zusätzlich eine Coworking-Mitgliedschaft abgeschlossen werden.

Die Aufmerksamkeit und die Akzeptanz für psychische Erkrankungen sind in den letzten Jahren gewachsen. Trotzdem ist, gerade in der Arbeitswelt, noch Luft nach oben. Die Arbeitsorganisation hat einen direkten Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen, daher müssen Arbeitgeber auch eine aktive Rolle einnehmen, um das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu steigern. Das bringt natürlich auch für das Unternehmen selbst Vorteile: Gesunde und glückliche Mitarbeitende arbeiten produktiver, sind motivierter und engagierter am Arbeitsplatz.

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